Gründungsgeschichte der Wohnheime und Werkstätten
Im 2. Weltkrieg wurden vom Deutschen Reich Personen aus den eroberten Gebieten, insbesonders aus Polen, Russland, Jugoslawien,
Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Litauen und Lettland nach Deutschland angeworben aber auch zwangsweise verschleppt. Sie mussten
in der Rüstungsindustrie, in Bergwerken und in der Landwirtschaft arbeiten.
Nach dem Krieg wurden sie von ihren Heimatländern als „Verräter“ eingestuft und sie mussten bei einer Rückkehr mit empfindlichen
Strafen bis hin zum Tode rechnen. Sie blieben deshalb in Deutschland und lebten vorerst in Lagern, wie z. B. in Landshut und Ingolstadt (in der Friedenskaserne). Diese beiden Lager wurden vom Landescaritasverband Bayern betreut. Die
Personen erhielten den rechtlichen Status „heimatlose Ausländer“. Sie hatten damit kein Heimatland mehr.
Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften errichteten Wohnungen, so dass sie sich eine Existenz in Deutschland aufbauen konnten.
Einige jedoch blieben in den Lagern. Sie kamen mit dem Leben nicht mehr ganz zurecht. Sie hatten alle ihre Angehörigen verloren;
sie konnten nicht mehr zurück in ihre Heimat; sie hatten viele individuelle Verletzungen und Schädigungen der Psyche und des
Körpers erlitten; sie hatten nur geringe Kenntnisse der deutschen Sprache und dadurch waren sie zusätzlich isoliert. Psychische
Erkrankungen und Alkoholprobleme waren die Folge.
Die Vereinten Nationen und der Bayerische Staat haben dann die Finanzen bereitgestellt, damit in Bayern für diese Restgruppe
der „Zwangsarbeiter“ Heime gebaut werden konnten. Der Caritasbetreuer, Walter Lukas, hat sich dafür eingesetzt, dass neben
Landshut auch in Ingolstadt ein solches Heim gebaut wurde. Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt übernahm die Trägerschaft.
1964
Am 28. Mai 1964 wurde das Heim eingeweiht. Sein Name: “Wohnheim für alleinstehende heimatlose Ausländer“. Die Anschrift war
„Gabelsbergerstraße 44" (später von der Stadt Ingolstadt der Hugo-Wolf-Straße zugeordnet). Es waren insgesamt 72 Plätze in
Einzel- und Doppelzimmern geplant.
Das Mittagessen wurde vom Kolpinghaus bezogen und mit dem Handkarren hergeschafft. Das Abendessen wurde im Heim selbst bereitet.
Das Frühstück machten sich die Bewohner selbst. Später, etwa ab 1966, nach dem Bau des Caritas Altenheimes, wurde das Mittagessen
teilweise von dort bezogen.
1965
Anfang 1965 wurden bei freigewordenen Plätzen auch Nichtseßhafte und Strafentlassene aufgenommen. Auch der damalige Gerichtsassessor
und spätere Oberbürgermeister Peter Schnell fragte nach Plätzen für seine verurteilten Probanden nach.
Im September 1965 wurde ein Wohnhaus in der Seeholzerstraße gekauft. In Einzel- und Doppelzimmern konnten nochmals 14 Betten
im I. OG und im Dachgeschoss geschaffen werden.
Im EG wurde eine Beratungsstelle für Suchtkranke aufgebaut. Diese Beratungsstelle wurde dann ca. 1973 aus fachlichen Gründen ausgegliedert, zunächst als eigenständige Beratungsstelle geführt bis sie etwa um das Jahr 2000
in die Caritas Kreisstelle Ingolstadt integriert wurde. Das Wohnhaus wurde etwa 1979 verkauft. Die Einnahme wurde für den
Bau der KFZ-Werkstätte verwendet.
Im Wohnheim in der Gabelsbergerstraße wurde der Keller teilweise für Arbeitstherapie ausgebaut um die Bewohner beschäftigen
zu können. Für die Ingolstädter Firma Brunnquell wurden Elektrostecker montiert. Die Teile wurden immer per Handkarren hin-
und her gebracht.
1966
Für die Freizeit wurde 1966 eine Kegelbahn errichtet, an Stelle der heutigen KFZ-Werkstätte.
Immer mehr Anfragen von Nichtseßhaften und Straffälligen kamen, so wurden Notplätze im Keller eingerichtet und auch in den
Zimmern wurden zusätzliche Betten aufgestellt. Das Heim war oft mit bis zu 110, statt der 72 Personen belegt. Streit und Alkoholexzesse
waren an der Tagesordnung. Aber im Winter konnten die vorsprechenden Personen nicht abwiesen werden.
1968
wurde der Name in „Eingliederungsheim“ abgeändert.
1975
wurde die heutige Schreinerei mit Malerei und Schlosserei errichtet, aber nur im Erdgeschoß.
1979
Verkauf der Seeholzerstraße.
1980
wurde die KFZ-Werkstatt errichtet und die Malerei und Schlosserei integriert. Die dort bestehende Kegelbahn und Garagen mussten dem Neubau
weichen.
1982
wurde eine Obstsafterei, erst mit Handpresse und dann mit einer Hydraulikpresse bis 1994 betrieben. In drei Monaten (September bis
November) wurden bis zu 80.000 Liter Apfelsaft gepresst.
Ebenfalls wurde eine Räucherkammer für Fleisch und Wurst errichtet, zuerst für den Eigenbedarf und dann etwas später auch
für Kunden. Von November bis Januar wurden ca. 2.000 kg Fleisch und Wurst geräuchert. Die Räucherei war in der jetzigen KFZ-Werkstatt untergebracht. Sie wurde im Jahr 2000 eingestellt.
1983
wurden in Etting 2 Felder gepachtet für den Gemüseanbau bzw. als Ausweitung der arbeitstherapeutischen Möglichkeiten. 1989 wurde diese Tätigkeit wieder eingestellt.
Von der Stadt Ingolstadt wurden die Straßenapfelbäume von Etting nach Oberhaunstadt angepachtet zur Obstverwertung. Wieder
beendet 1991.
1984
Beginn des ersten Ausbildungsangebotes zum Schreiner.
Anpachtung der Straßenobstbäume (Kirschen) von Ingolstadt nach Gerolfing. Wegen der unfallgefährdeten Lage beim Pflücken wurden
diese nach ca. 4 Jahren wieder aufgegeben.
1985
Anpachtung eines Gartens mit ca. 1000 qm in der Hugo-Wolf-Straße bis März 1991.
Ebenfalls in der Hugo-Wolf-Straße wurde ein dort freies Gelände mit ca. 2.000 qm von der Firma Edeka angepachtet und ein Holzplatz errichtet. Dort wurde Brennholz für den Verkauf und für den Eigenbedarf
gefertigt. Der Platz konnte bis September 1990 genutzt werden, dann wurde dieser Betriebszweig aufgegeben.
1986
Aufstockung der Schreinerei.
1988
Namensänderung in „Caritas Wohnheime und Werkstätten“.
Weiteres Ausbildungsangebot für Maler und Lackierer.
Im Februar Erwerb eines Grundstücks in Etting mit ca. 3000 qm. Dort sollte der künftige Holzplatz errichtet werden. Durch Widerstand von Anliegern konnte das Projekt nicht verwirklicht
werden. Das Grundstück wurde dann parzelliert und 1992 wieder verkauft.
1989
Erwerb des Klosters und Internats St. Alfons; 1 Jahr als Asylunterkunft von der Stadt Ingolstadt bis 1991 angemietet.
1990
Der Arbeitsbereich „Umwelt, Garten und Forst“ wurde im Januar gegründet; heute Garten- und Landschaftsbau.
Im Juli wurde ein Holzlagerplatz in Hepberg angepachtet. Dort wird das Holz für die Schreinerei gelagert.
1993
Im Januar wurde vom Caritas-Altenheim in Greding ein Waldgrundstück zur weiteren Pflege und Nutzung übernommen.
Im Mai wurde der Gebrauchtwaren-Markt mit Recyclinghof in der Bruhnstraße eröffnet.
Im September Fertigstellung des Umbau St. Alfons in ein Wohnheim;
1994
Im März wurde das „Forum Weiterbildung“ in St. Alfons gegründet. Eine Caritasinterne Fortbildung. Das Projekt musste nach ca. 2 bis 3 Jahren wegen mangelnder Nachfrage wieder aufgegeben werden.
1995
Ab 01.01. kam Essen auf Rädern offiziell zur Einrichtung.
Im März wurde ein Arbeitsbereich „Elektronik-Demontage“ mit 29 Beschäftigten in der Regensburger Straße errichtet. Wegen fehlender
Gesetzesgrundlage und damit fehlender Finanzen musste das Projekt nach zwei Jahren wieder schließen.
Im Mai wurde der Küchenneubau fertig, die Heime und Essen auf Rädern konnten nun bestens bekocht werden.
1998
Umbau des Klostertraktes in 16 Mietappartement (Patres sind Ende 1997 ausgezogen). Erstbezug der Appartement am 01.02.1999.
1999
Verlagerung der Schlosserei und des Garten- und Landschaftsbaues nach Gaimersheim.
Im September wurde die „Pro Chance GmbH“ als Beratungsfirma für Langzeitarbeitslose gegründet. Wegen der neuen gesetzlichen
Bestimmungen musste die Tätigkeit zum 31.12.2003 eingestellt werden.
2000
Im Oktober Aufgabe des alten Gebrauchtwaren-Marktes in der Bruhnstrasse und Umzug in den neu gebauten Markt in Gaimersheim.
2001
Im Oktober wurde die Prodie gGmbH mit Sitz in Gaimersheim gegründet. Sie ist eine Beschäftigungsgesellschaft für langzeitarbeitslose Menschen.
2003
In der Einrichtung wird das Umweltmanagement und Qualitätsmanagement gestartet. In diesem Zusammenhang steht die Inbetriebnahme
einer Hackschnitzelheizung für das Wohnheim und die Werkstätten in der Hugo-Wolf-Straße.
2004
Die erste Umweltschutzerklärung wurde erstellt.
2005
Am Standort Gaimerheim wurde eine benachbarte Gewerbehalle gekauft. Ebenfalls in Gaimerheim ist der Imbiss "Caritas-Stüberl"
im November eröffnet worden.
Als neuen Dienst bietet die Einrichtung seit Oktober 6 Zuverdienstarbeitsplätze für psychisch Kranke und/oder Suchtkranke
an.
Für benachteiligte Jugendliche sind in Kooperation mit dem Jobcenter Ingolstadt, der Agenturen für Arbeit, der Jugendämter
Ingolstadt, Eichstätt und Pfaffenhofen 12 geförderte Ausbildungsplätze geschaffen worden. Neu ist die Ausbildung zum Recycling-Monteur.
2006
Seit Januar werden die beiden Caritas-Altenheime in Gerolfing und Gaimerheim auch am Samstag und Sonntag mit Mahlzeiten aus
der Großküche beliefert. Neu hinzugekommen ist seit August die tägliche Belieferung des Caritas-Altenheimes St. Pius in Ingolstadt.
Die Umbaumaßnahmen der benachbarten Gewerbehalle sind abgeschlossen. Im März konnte die Recycling-Werkstatt bezogen werden.
Im Mai folgte die Eröffnung des Kleidermarktes.
Erneut konnten 12 Jugendliche eine geförderte Ausbildung im September beginnen.
2007
Im Oktober ist oberhalb des Kleidermarktes der Büchermarkt eröffnet worden.
Die erfolgreichen Ausbildungsverhältnisse konnten auch 2007 wieder mit 14 Jugendlichen fortgesetzt werden.
Grundflächen:
Hugo-Wolf-Straße 20, Ingolstadt
3000 qm Grund; Eigentümer ist der Bayerische Staat. Wir zahlen Erbpachtzins. Die Gebäude gehören dem Caritasverband.
Dieses Grundstück war früher militärisch genutzt. Es war das Stützpunktwerk II Nr. 101 Habermann und war eine vorgeschobene Festung vor der Stadt. Sein Name: Fort Habermann. Dieses Fort war als „Kreuzblockhaus“
1837 gebaut worden. In der Friedenszeit wurde es als Pulver- und Munitionsmagazin verwendet. Das zweite Kreuzblockhaus „Minucci“
steht noch zum Teil (1 Flügel) im Minucciweg.
St. Alfons, Telemannstraße 8, Ingolstadt
9000 qm Grund; Grund und Gebäude gehören dem Caritasverband.
Gaimersheimer Straße 15 1/2, Ingolstadt
3300 qm Grund; Grund und Gebäude gehören dem Caritasverband.
Carl-Benz-Ring 16 - 18, Gaimersheim
Grund ca. 6.000 qm. Der Grund gehört der Diözese Eichstätt und wird über die Pfarrpfründestiftung Gaimersheim verwaltet. Die Gebäude gehören
dem Caritasverband.
Carl-Benz-Ring 14, Gaimersheim
Grund ca. 2.000 qm. Grund und Gebäude gehören dem Caritasverband.
Bisherige Leiter der Dienststelle
1. Walter Lukas, von 1964 bis September 1970;
2. Reinhold Hammerl, von Oktober 1970 bis Oktober 1971;
3. Anton Frank, von November 1971 bis 31.03.2005, (bereits seit Juni 1970 als Jahrespraktikant und Sozialarbeiter tätig)
4. Michael Rinnagl, seit 01.03.2005
