Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 12.07.2007

Von Schattenseiten des Lebens zum Mut zur Eigenständigkeit

Lebensalltag und -perspektive eines Bewohners im Caritas-Wohnheim St. Alfons

Heinz-Peter S. (54) hat meistens die Schattenseiten im Leben erfahren: Scheidung und Trennung, ein schwerer Unfall, Herzinfarkt, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme und einen Suizidversuch. Seit März vergangenen Jahres lebt er im Caritas-Wohnheim St. Alfons in Ingolstadt. Und seitdem ist er auf dem Weg der Besserung: „Herr S. entwickelt zunehmend eine eigene Lebensweise und fasst Mut, in die Zukunft zu blicken, was durchaus angebracht ist“, erklärt Diplom-Pädagoge Heinz Köhler vom Sozialdienst des Caritas-Wohnheims. Ganz wesentlich für diesen Fortschritt sei, so Köhler, dass Heinz-Peter S. als Mensch im Wohnheim sowie als Beschäftigter des Gaimersheimer Caritas-Marktes wieder einen geregelten Tagesablauf habe.

Der beginnt um kurz nach 6 Uhr morgens. Nach dem Frühstück fährt der gelernte Fernfahrer mit einem Shuttlebus in die Hugo-Wolfstraße, wo er andere Beschäftigte abholt, um sie zur Arbeit zu bringen. In der Kfz-Werkstatt unterzieht er sich zunächst einem Alkoholtest. „Das machen hier nur die Schlimmsten“, scherzt ein Kollege, während Heinz-Peter S. in den Alkomaten bläst. Der Scherz ist grundlos, denn S. ist trocken: „0,0“, stellt Katharina Welitschko vom Betreuungsdienst erfreut fest. Sogleich beordert der Fahrer seine Kolleginnen und Kollegen in den Bus und fährt mit ihnen in den Gebrauchtwarenmarkt nach Gaimersheim. Nach Abholen seiner Stempelkarte beginnt die Arbeit: Radiorecorder, Lautsprecher, Bügeleisen und anderen Elektroschrott einsammeln und diese zur Sperrmüllsammelstelle im Hof der Einrichtung fahren. Anschließend füllt Heinz-Peter S. die Regale im Caritas-Markt mit neuen Waren, die Bürgerinnen und Bürger am Vortag gebracht hatten. Zwischendurch hilft er einem Kollegen mal eben, ein eingeklemmtes Kabel an einem Laster zu lösen.

Heinz-Peter S., der lange Zeit unter psychischen Problemen litt, arbeitet bisher nur vormittags, weil er noch nicht die Ausdauer zu einem 8-Stunden-Arbeitstag hat. Froh ist er darüber, dass bei seiner Tätigkeit im Caritas-Markt zwar durchaus auf Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit geachtet wird, jedoch kein Leistungsdruck besteht: „Ich kann hier jederzeit mal fünf Minuten abschalten, und wenn ich mal einen schlechten Tag habe, bekomme ich auch keinen auf den Deckel“, beschreibt er, was er am „geschützten Arbeiten“ in der Caritaseinrichtung schätzt. Ob er es nochmals schafft, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen und dortigen Anforderungen standzuhalten, ist für ihn wie Betreuer Heinz Köhler noch fraglich. Zunächst strebt er ab kommenden Jahr ein „betreutes Wohnen“ an: so, dass er selbständig in einer eigenen Wohnung leben –, aber von einem Sozialdienst weiterhin im Alltag begleitet würde.

 

 

Als Fahrer eines Caritas-Shuttlebusses unterzieht sich Heinz-Peter S. täglich einer Alkoholkontrolle. Fotos: Caritas

 

Zurück im Caritas-Wohnheim putzt Heinz-Peter S. noch den Boden in seinem Zimmer sowie den Gang. „Um ihr Leben zu normalisieren, müssen die Bewohner auch das tun“, erklärt Heinz Köhler. Auch dies trage zur „Stabilisierung durch Tagesstrukturierung“ bei, die für Heinz-Peter S. wie für viele andere Bewohner zum A und O gehörten. Durch allmähliche Erhöhung der Anforderungen sollen sie fit gemacht werden, möglichst bald wieder ihren Alltag selbst meistern zu können. „Obdachlose Menschen, die von der Parkbank am Auwaldsee zu uns kommen, sind seltener geworden. Heute leben hier vor allem Menschen, die nach massiven Konflikten zu Hause, Alkoholproblemen, Arbeitslosigkeit, Schulden sowie psychischer Erkrankung Eingliederungshilfe brauchen“, erläutert Köhler, mit welchen Menschen er es hauptsächlich zu tun hat. Dazu gehöre auch Heinz-Peter S.

Im Anschluss an die getane Arbeit im Caritas-Markt und die Hausarbeiten entspannt sich dieser nachmittags mit seinen Wohnkollegen Horst M. und Heinz V. auf der Terrasse des Caritas-Restaurants und im Garten des Wohnheims. „Es fehlt jetzt nur noch der Strand“, wird bei gelöster Stimmung geflachst. Ferien am Meer bietet die Ingolstädter Caritaseinrichtung ihnen natürlich nicht an. Doch Erholungsausflüge in den Alpen kommen den Bewohnern ab und zu zugute sowie regelmäßig organisierte Grillnachmittage.

Nach Ratschen mit den Kollegen und Einkaufen in einem nahe gelegenen Laden genießt es Heinz-Peter S., am Nachmittag zu lesen und Musik zu hören. Biografien von Politkern, Autozeitschriften und Countrymusik mag er besonders. Oft besucht ihn auch seine Lebensgefährtin. „Es ist ein offenes Haus“, fühlt er sich im Caritas-Wohnheim wohl. Trotzdem will er nächstes Jahr in eine eigene Wohnung ziehen. Dass er wieder selbstständig leben kann, ist sein Ziel – und das des Caritas-Wohnheims St. Alfons.

 

 

Nach getaner Arbeit und Mittagessen erholt sich Heinz-Peter S. (Mitte) häufig gemeinsam mit Kollegen  im Garten des Caritas-Wohnheims St. Alfons.

 

 

 

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