Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 29.10.2010

Seit zehn Jahren Flammenkreuz im Industriepark

Ende Oktober 2000 eröffneter Caritas-Markt in Gaimersheim hat sich vielfältig ausgeweitet

Ein Gebäude mit Flammenkreuz im Industriepark Mittlere Heide: Vor zehn Jahren, als der Caritas-Markt von der Ingolstädter Bruhnstraße nach Gaimersheim verlegt wurde, war dies für manchen noch ein ungewöhnlicher Anblick. „Wenn man von Caritas spricht, denken schließlich viele zuerst an Altenheime und Kindergärten“, hatte bei der Eröffnung des Caritas-Marktes Ende Oktober 2000 der seinerzeitige Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Eichstätt, Domkapitular i.R. Ernst Rupprecht, denn auch gesagt. Doch in den zehn Jahren hat sich dieser Gebrauchtwarenmarkt mit angeschlossener Sperrmüllsammelstelle und Wertstoffhof zu einem vielfältigen Markt mit zahlreichen Chancen für Menschen mit Schwierigkeiten in der Arbeitswelt ausgeweitet –und ist mit dieser Hilfe unter dem Caritaszeichen des Flammenkreuzes bekannt geworden.  „Anfangs waren wir hier ein fast reiner Männerbetrieb, in dem vor allem Langzeitarbeitslose tätig waren. Jetzt sind bei uns auch zahlreiche Mädchen und Frauen tätig. Und wir bieten auch mehr psychisch kranken Menschen Beschäftigungen in Zuverdienstarbeitsplätzen: vor allem im vor einigen Jahren eröffneten Büchermarkt, der ihnen eine für sie geeignete ruhige Möglichkeit bietet“, beschreibt Caritas-Marktleiter Alois Bortenhauser den Wandel. Mädchen und Frauen erhalten diese Möglichkeiten nach seiner Information vor allem im 2006 eröffneten Kleidermarkt, für den auch behindertengerechte Kassenarbeitsplätze geschaffen wurden. Und junge Menschen, die besonderer Förderung bedürfen, haben mit einer Recycling- sowie einer Fahrradwerkstatt unter demselben Dach seit einigen Jahren neue Perspektiven bekommen.

Anzahl der beschäftigten Menschen hat sich vervielfacht

Die Anzahl der im Caritas-Markt betreuten und öffentlich geförderten Menschen hat sich nach der einrichtungseigenen Statistik in den zehn Jahren vervielfacht: Nach dieser waren dort 2001 rund 50 langzeitarbeitslose, psychisch kranke, suchtkranke und ehemals obdachlose Menschen unter Anleitung von vier Stammmitarbeitern beschäftigt. 2009 waren es hingegen bereits knapp 260, die von 16 festen Mitarbeitern angeleitet wurden. Hinzu kommt seit einigen Jahren eine sozialpädagogische Betreuerin, die sich vor allem den Sorgen der jungen Menschen mit Handicaps in der Recyclingwerkstatt und der psychisch kranken Menschen im Zuverdienstprojekt annimmt. „Grundsätzlich haben nach unserem Caritas-Selbstverständnis aber alle Stammmitarbeiter ein offenes Ohr für alle zu betreuenden und qualifizierenden Menschen“, betont Michael Rinnagl, Gesamtleiter der Caritas-Wohnheime und Werkstätten Ingolstadt, zu denen der Caritas-Markt mit seinen verschiedenen Angeboten gehört.

Politische und gesetzliche Veränderungen haben es Rinnagl zufolge der Einrichtung sowie den in ihr geförderten Menschen in den letzten Jahren allerdings nicht immer leicht gemacht. „Früher hatten wir viele über zwei Jahre lang laufende ABM-Stellen. Seit es die neuen Bestimmungen im Sozialgesetzbuch nach dem sogenannten Hartz IV gibt, arbeiten zahlreiche Leute bei uns in Arbeitsgelegenheiten mit einer geringfügigen Zusatzvergütung, die in der Regel nur ein halbes Jahr dauern. Da ist die Zeit oft nach einer Einarbeitung schon wieder vorbei, und es lässt sich kaum konstant arbeiten und länger planen“, bedauert Rinnagl. „Wir merken auch, dass diese Menschen es finanziell schwerer haben als die früheren ABMler. Heute vermitteln wir deshalb auch mehr zur  Schuldnerberatung“, ergänzt Marktleiter Bortenhauser. Dass sich für viele in der Einrichtung geförderte Menschen dennoch neue Perspektiven ergeben haben, liegt nach Ansicht der beiden Caritasverantwortlichen auch an deren „guter Zusammenarbeit“ mit dem Ingolstädter Jobcenter sowie der Beschäftigungsförderungsgesellschaft in-arbeit. „Von den heutigen 16 Stammmitarbeitern im Caritas-Markt hatte der Großteil früher bei uns eine öffentlich geförderte Arbeit“, so Michael Rinnagl. Seinem Kollegen Alois Bortenhauser ist auch besonders wichtig, „dass wir 14 benachteiligten Jugendlichen zusammen mit der Regens-Wagner-Berufsschule zu einem Berufsabschluss verholfen – und das weitere vier eine Verkäuferausbildung vor der Industrie- und Handelskammer München abgeschlossen haben“.

Auch wenn es im Caritas-Markt in erster Linie darum geht, Menschen mit Schwierigkeiten wieder Arbeitschancen zu geben, hat sich die Einrichtung auch wirtschaftlich in einem laut Rinnagl „einst kaum vorstellbaren Ausmaß“ entwickelt. Der Einrichtungsstatistik zufolge stieg die Anzahl der Besucher des Marktes von rund 100.000 im ersten kompletten Jahr 2001 in Gaimersheim auf etwa 250.000 im Jahr 2009. Die Menge des angelieferten Sperrmülls verdoppelte sich fast von rund 40.000 Anlieferungen in 2001 auf 78.000 in 2009. Dabei verdreifachte sich die Gesamtmenge nahezu von etwa 1.500 auf 4.450 Tonnen. Nach einer Vereinbarung mit den Ingolstädter Kommunalbetrieben, nach welcher die Caritaseinrichtung als offizielle Sperrmüllsammelstelle der Stadt fungiert, können Ingolstädter Bürger ihren Sperrmüll dort kostenfrei abliefern. Der Vorstand der Ingolstädter Kommunalbetriebe, Dr. Thomas Schwaiger, sieht die Lösung in Gaimersheim sowohl für die zwischenkommunale Zusammenarbeit als auch für die dadurch erzielte Müllreduzierung als Erfolg: „Bei der kommunalen Sperrmüllabfuhr sind die Mengen, die verbrannt werden, rückläufig, da im Caritas-Markt der  angelieferte Sperrmüll erst noch auf seine weitere Verwendung hin überprüft wird. Besser hätte das Sperrmüllproblem für unsere Stadt nicht gelöst werden können.“ Doch auch Bürgerinnen und Bürgern aus den umliegenden Gemeinden können ihren Sperrmüll dort gegen eine je nach Gegenstand und Material zu entrichtende geringe Gebühr abgeben.

Waren für zahlreiche sozial bedürftige Menschen

Soziale Bedeutung hat der Caritas-Markt in den zehn Jahren nicht nur für Beschäftigung suchende Menschen gehabt, sondern auch für sozial bedürftige. Nach Mitteilung Bortenhausers konnten solche Menschen bereits im Jahr 2001 kostenfrei mit von den Caritas-Kreisstellen Ingolstadt und Eichstätt ausgestellten Gutscheinen Waren im Wert von 11.500 Euro erwerben. In 2009 taten dies dem Caritas-Marktleiter zufolge 740 bedürftige Personen sowie auch einige Einrichtungen wie das Asylbewerberheim Denkendorf für Hilfesuchende für insgesamt 19.200 Euro.

In ökologischer Hinsicht spielt der Caritas-Markt laut Leiter Rinnagl nicht nur eine wichtige Rolle, da auf seinen Gebäuden eine Photovoltaikanlage installiert wurde, sondern auch dadurch, dass der gesamte Komplex in Gaimersheim durch eine Hackschnitzelheizung mit Wärmeenergie versorgt wird.

 

 

Der Gebrauchtwarenmarkt mit Sperrmüllsammelstelle und Wertstoffhof in Gaimersheim hat sich in zehn Jahren zu einem vielfältigen Caritas-Markt entwickelt. In den vergangenen Jahren kamen auf dem Gelände zum Beispiel in einer neuen Halle ein Kleider- und Büchermarkt sowie eine Recycling- und Fahrradwerkstatt hinzu, die Menschen mit sozialen Problemen neue Arbeitschancen eröffnen. Foto: Caritas-Wohnheime und Werkstätten

 

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