Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 18.03.2011

Mit benachteiligten jungen Menschen im Gespräch

Generalvikar, Caritasdirektor und Sozialreferent besuchten Caritas-Markt

 

„Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit, und jeder Mensch soll mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrgenommen werden. Ein besonderes Anliegen ist uns, dass junge Menschen in Arbeit kommen.“ Diese Worte richtete der Generalvikar des Bistums Eichstätt, Isidor Vollnhals, an rund 15 Auszubildende und deren Anleiter sowie Betreuer im Gaimersheimer Caritas-Markt, den er heute (18.3.) gemeinsam mit Caritasdirektor Rainer Brummer und dem Sozialreferenten der Stadt Ingolstadt, Wolfgang Scheuer, besuchte. Anlass war der Josefstag am Samstag (19.3.), den katholische Einrichtungen und Verbände stets nutzen, um auf die Wichtigkeit gesellschaftlicher Integration und beruflicher Teilhabe sozial benachteiligter und individuell beeinträchtiger junger Menschen aufmerksam zu machen. Der heilige Josef hat in der katholischen Tradition als Ziehvater Jesu unter anderem das Patronat für Kinder und Jugendliche. Er gilt zudem als Patron der Arbeiter. Beide Aspekte stehen in engem Zusammenhang mit den meist öffentlich geförderten Auszubildenden in den Caritas-Wohnheimen und Werkstätten Ingolstadt, zu denen der Caritas-Markt Gaimersheim gehört.

Der Generalvikar, Caritasdirektor und Ingolstädter Sozialreferent erhielten einen persönlichen Eindruck bei einer Führung durch den Leiter der Gesamteinrichtung, Michael Rinnagl, und Marktleiter Alois Bortenhauser sowie im Gespräch mit Auszubildenden. Diese lernen zum Beispiel in der Recyclingwerkstatt, Malerei, Schreinerei, Schlosserei, Kfz-Werkstatt und im Kleidermarkt der Einrichtung. Viele sehen nach schwierigen beruflichen Startbedingungen Perspektiven für ihre Zukunft, seit sie in den Caritasbetrieben lernen und arbeiten.

 

 

In der Caritasschlosserei erläuterte der Auszubildende Maximilian Müller (Mitte) Michael Rinnagl, Leiter der Caritas-Wohnheime und Werkstätten Ingolstadt, Generalvikar Isidor Vollnhals, dem Ingolstädter Sozialreferenten Wolfgang Scheuer und Caritasdirektor Rainer Brummer (von links) seine Arbeit.

 

Der 20-jährige Dimce beispielsweise hatte immer nur Absagen von Malereien erhalten. Nun absolviert er in der Caritas-Malerei zunächst eine Maßnahme innerhalb des von der Bundesregierung geförderten Sonderprogramms „Einstiegsqualifizierung“ (EQ) für Lehrstellenbewerber mit erschwerten Vermittlungschancen. „Hier habe ich das Gefühl, verstanden zu werden. Die Ausbilder sind super und haben stets ein offenes Ohr“, freut sich Dimce. Sein 19-jähriger Kollege Tobias in der Recyclingwerkstatt – der wie Dimce früher eine Förderschule besuchte – zerlegt in seinem zweiten Lehrjahr in einer von der Arbeitsagentur geförderten Ausbildung mit Begeisterung Elektroteile. Ferner hat er bereits den Autoführer- und Staplerschein erworben. „Tobias hat ernorm an Selbstbewusstsein gewonnen, und ich sehe durchaus Chancen für ihn auf dem ersten Arbeitsmarkt“, so Alois Bortenhauser. Am liebsten würde Tobias einmal in einem Wertstoff- oder Recyclinghof arbeiten.

Caritasdirektor Rainer Brummer bezeichnet es als besonders wichtig und erfreulich, „dass junge Menschen in der Einrichtung das Gefühl bekommen ‚Hier werde ich gebraucht’“. Der  Ingolstädter Sozialreferent Wolfgang Scheuer sagte, es sei für ihn interessant, diese soziale Arbeit in der Praxis kennenzulernen. Er berichtete, dass die Stadt in Zukunft näher an arbeitsuchenden Menschen „dran sein“ wolle. Daher kämpfe sie derzeit darum, eine sogenannte Optionskommune zu werden, „um Förderungen in die eigenen Hände zu nehmen“.

Michael Rinnagl bezeichnete im Gespräch mit den drei Gästen anlässlich des Josefstages den „beschützenden Rahmen“, den die Caritaseinrichtung bietet, als wesentlich, um jungen Menschen mit Handicaps berufliche Perspektiven zu geben. Viele hätten aufgrund einer schweren Kindheit und schwierigen Schulzeit keine Chance auf eine reguläre Ausbildung. Für sie sei neben der fachlichen Ausbildung die sozialpädagogische Betreuung daher ganz wichtig. Diese gewährleiste intensive Gespräche, emotionale Zuwendung und Kriseninterventionen. „Die jungen Menschen können hier reifen. Betreuung geht vor Produktionserfolg“, betonte der Einrichtungsleiter.

 

 

Wie ein Elektrogerät in Einzelteile zerlegt wird, zeigte dem Generalvikar der junge angehende Recyclingmonteur Franz Josef Oberprieler. Fotos: Peter Esser

 

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