Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 27.07.2012

Verwaltung und Sozialarbeit enger zusammenbringen

In Caritas-Wohnheimen über Wohnungslosenhilfe ausgetauscht

 

„Tue Gutes und rede darüber“. Zu einer engen Beziehungspflege zu Verwaltungen und Öffentlichkeitsarbeit unter diesem Motto hat der Referent für Wohnungslosenhilfe der Diakonie Bayern, Michael Frank, die Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe aufgerufen. Rund 50 Engagierte in diesem Bereich, vor allem aus Wohlfahrtsverbänden, nahmen gestern (26.7.) an einem ersten Praxistag „Prävention von Wohnungslosigkeit in Bayern“ in den Caritas-Wohnheimen und Werkstätten Ingolstadt teil. Sie wurde von der Koordination Wohnungslosenhilfe Nord- und Südbayern und der gastgebenden Ingolstädter Caritas-Einrichtung gemeinsam ausgerichtet und vom Bayerischen Sozialministerium finanziell gefördert.

„Unser Ziel ist es, dass bald flächendeckend Sozialämter mit Beratern in der Wohnungslosenhilfe bei Wohlfahrtsverbänden zusammenarbeiten, um durch ein Zusammenwirken von Verwaltung und sozialpädagogischer Kompetenz besser als bisher Wohnungs- und Obdachlosigkeit verhindern zu können“, erklärte Thomas Duschinger , Koordinator der Wohnungslosenhilfe Südbayern. Der Leiter der Caritas-Wohnheime und Werkstätten Ingolstadt, Michael Rinnagl , sagte nach der Tagung: „Wir haben wertvolle Informationen bekommen, die wir auch für unsere Arbeit in Ingolstadt auswerten sollten, um auch hier noch besser wohnungslosen Menschen helfen zu können.“ Nach Information Duschingers gibt es derzeit 13 Fachstellen zur Prävention für Wohnungslosigkeit in verbandlicher Trägerschaft in Bayern. Diese hätten im Jahr 2011 etwa 5.000 Familien und Einzelpersonen persönlich betreut und damit einen Großteil vor dem Verlust des Wohnraums geschützt. Großes persönliches Leid der Familien sowie Umzugs- und Unterbringungskosten seien unter anderem durch rechtzeitiges Einschreiten verhindert worden.

Einige präsentierten Erfolgsmodelle

Einige dieser Fachstellen präsentierten ihre Erfolgsmodelle bei der Tagung. In München wird zum Beispiel die Aufsuchende Sozialarbeit (ASA) des Ambulanten Fachdienstes Wohnen des Caritas-Fachverbandes   Katholischer Männerfürsorgeverein von Sozialbürgerhäusern frühzeitig beauftragt, aktiv zu werden, wenn einem Menschen Wohnungslosigkeit aufgrund einer Räumungsklage droht. Die ASA leistet zudem sechs Monate lang eine „präventive Nachsorge“, um gegebenenfalls weitere Probleme mit Vermietern oder Nachbarn und neue Mietschulden zu verhindern. Melanie Eisenberger vom Diakonischen Werk Weißenburg-Gunzenhausen erläuterte anhand eines 2011 initiierten Modellprojektes innerhalb eines Netzwerkes sozialer Dienste, „dass auch im ländlichen Bereich Bedarf besteht und gut angenommen wird“. Von bisher knapp 280 betreuten Personen hätten zwei Drittel selbst Kontakt zur Beratungsstelle aufgenommen. Angela Pfister-Resch vom Kreisverband München-Land der Arbeiterwohlfahrt stellte unter anderem ein Datenbanksystem vor, mit dem ihre Stelle Bürgermeistern in 29 Gemeinden passgenaue Informationen über unter anderem Anzahl der Wohnungsnotfälle, Zugangswege, Erwerbssituationen und Lebenslagen Betroffener liefert.

Eine gute Information gegenüber Bürgermeistern und Verwaltungsmitarbeitern wurde bei der Tagung grundsätzlich als ein Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit dargestellt. Der Leiter des Sozialdienstes der Caritas-Wohnheime Ingolstadt, Stephan Knitl-König , plädierte dafür, „auch einmal an den Bayerischen Städtetag heranzutreten“. Thomas Duschinger sagte, Politikern und Verantwortlichen in Behörden müssten mehr direkte Unterstützungsangebote für eine engere Zusammenarbeit mit der Wohnungslosenhilfe vorgetragen werden sowie konkrete Fallberechnungen. „Auch Vermietern sollte öfters hochgerechnet werden, was eine Zwangsräumung kostet, um sie für Konfliktschlichtungsgespräche zu motivieren.“   Duschinger und sein Kollege für die Koordination Wohnungslosenhilfe in Nordbayern, Willi Kronberger, verwiesen auf eine Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, nach der die Kosten der Obdachlosenunterbringung siebenmal teuerer seien als vorbeugende Maßnahmen. Oft scheitere die rechtzeitige Hilfestellung dort, wo es keine Präventionsstellen mit aufsuchender Sozialarbeit gibt. Räumungsurteile verbunden mit Zwangsräumungen und Unterbringung in Notunterkünften sind nach ihrer Überzeugung vermeidbare Folgen unterlassenen Handelns.

Wohnraum immer knapper

Wohnraum sichern und erhalten ist nach Information der beiden Koordinatoren Wohnungslosenhilfe in Bayern umso wichtiger, als dieser immer knapper werde. Dafür machten sie auf Berechnungen des Pestel Institutes in Hannover aufmerksam: Nach diesen fehlen bis zum Jahr 2017 in Bayern fast 165.000 Mietwohnungen, wenn in dem Ausmaß weitergebaut wird wie bisher. In Ingolstadt fehlen laut der Statistik des Institutes in diesem Fall über 2.900 Mietwohnungen und im Landkreis Eichstätt gut 230.

 

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