Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 10.09.2013

Menschenwürdigeres Wohnen ermöglicht

20 Jahre Caritas-Wohnheim St. Alfons, das Lebensqualität Wohnungsloser verbesserte

20 Jahre alt wird am 20. September dieses Jahres das Caritas-Wohnheim St. Alfons, das zu den Caritas-Wohnheimen und Werkstätten Ingolstadt gehört. In dem Haus in der Telemannstraße werden wie in dem bereits seit 1964 bestehenden nahe gelegenen Wohnheim in der Hugo-Wolf-Straße wohnungslose Menschen betreut, denen vorübergehend oder dauerhaft in besonderer Weise geholfen werden muss. Seit 1993 haben in St. Alfons nach einer eigenen Statistik über 300 Personen und in beiden Wohnheimen zusammen knapp 700 Menschen diese Caritashilfe in Anspruch genommen.

Die Errichtung des Wohnheims St. Alfons ermöglichte vor 20 Jahren vor allem mehr Wohnqualität: „Da das Haus in der Hugo-Wolfstraße sehr beengt und mit Mehrbettzimmern ausgestattet war, waren wir froh, dass der Caritasverband vor mehr als 20 Jahren das Kloster und Internat der Redemptoristen kaufte und umbauen ließ, zum Großteil in Eigenleistung durch unsere Caritas-Werkstätten“, erklärt Michael Rinnagl, Leiter der Caritas-Wohnheime und Werkstätten. Die Gesamtzahl an 74 Plätzen ist bis heute erhalten geblieben, doch konnten durch 44 neue Plätze in St. Alfons alle in Einzelzimmer umgewandelt werden. „Unsere Wohnungsloseneinrichtung war nach meinem Wissen eine der ersten Häuser in Bayern, die vollständig auf Einzelzimmer umgestellt hatte. Das ist übrigens auch heute noch nicht überall selbstverständlich“, informiert Stephan Knitl-König, Abteilungsleiter des Sozialdienstes der Einrichtung. Die Einzelzimmer hätten zum einen viele „Konfliktherde“ entschärft und zum anderen ein menschenwürdigeres Wohnen ermöglicht. Durch die gleichzeitige Eröffnung des Restaurants im Haus St. Alfons sei zudem die Versorgung verbessert worden. Der behindertengerechte Umbau habe sich für Menschen mit Handicaps vorteilhaft erwiesen. All dies hat nach Erfahrung von Knitl-König auch eine professionellere Sozialarbeit gewährleistet: „Während früher vielleicht mehr das ‚Unterbringen’ im Vordergrund stand, ist inzwischen mehr die persönliche Betreuung und Bearbeitung von Problembereichen und deren Hintergründen in den Vordergrund getreten.“

Tendenz zu älteren Bewohnern macht die Arbeit schwieriger

Da zu jedem Zimmer auch eine Nasszelle und Kochnische gehört, bot sich St. Alfons auch für wohnungslose Frauen an. Allerdings hat es in den 20 Jahren nur wenige Bewohnerinnen gegeben. Derzeit gibt es in beiden Wohnheimen zusammen nur eine. Als Grund wird vermutet, dass Frauen in der Regel weniger auffallen als Männer sowie sich aufgrund ihrer meist besseren hauswirtschaftlichen Kenntnisse besser behelfen können – und ihre Wohnungslosigkeit insofern zum Teil verdeckt ist. Ferner gibt es für Frauen spezifische Angebote, wenn andere Problematiken hinzukommen: bei erlebten Gewalterfahrungen in der Familie zum Beispiel Frauenhäuser. Stephan Knitl-König fällt als neue Tendenz hingegen auf, „dass unsere Klienten älter geworden sind und es bei diesen schwieriger wird, sie wieder auf ein eigenständiges Leben, Wohnen und Arbeiten vorzubereiten. Eine Vermittlung auf dem Wohnungsmarkt sei freilich auch deshalb immer schwieriger, „weil bekanntlich günstiger Wohnraum fehlt“.

Um die Bewohner der Caritas-Wohnheime so gut wie möglich betreuen zu können, führt die Einrichtung jährlich eine Zufriedenheitsstudie bei ihnen durch. Bei der letzten Befragung bezeichneten 52 Teilnehmer die Betreuung im Durchschnitt als „gut“. Als besonders positiv bewertet wurden „Unterstützung bei persönlichen Angelegenheiten“ und „Anleitung im Arbeitsbereich“ – viele der Bewohner sind in den Caritas-Werkstätten tätig. Schlechter als die Unterkunft und Betreuung wird von den Bewohnern der Ruf der Einrichtung in der Öffentlichkeit beurteilt. „Dies führen viele offenbar auf das Fehlverhalten weniger zurück, zum Beispiel bei Ruhestörungen oder Konflikten. Und sie meinen, dass vor allem das dann auch außerhalb der Einrichtung wahrgenommen wird. Wir können das aber nicht bestätigen, denn wir haben kaum Beschwerden von Nachbarn und einen guten Kontakt zur Polizei“, so Stephan Knitl-König.

Als „ein wirklich gutes Miteinander“ erfährt der Abteilungsleiter des Sozialdienstes das Zusammenleben mit den Mietern im Haus St. Alfons: „Man geht respekt- und rücksichtsvoll miteinander um, schätzt und nutzt zum Beispiel die Möglichkeit, gemeinsam im Caritas-Restaurant zu essen und sich zu unterhalten. Diese Nachbarschaft mit regulären Mietern ist eine Besonderheit des Hauses St. Alfons. Seit 1999 werden im früheren Klostertrakt 16 Mietapartments auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten. Einrichtungsleiter Rinnagl sieht darin ein „gelungenes Experiment“ für eine Normalisierung des Zusammenlebens von betreuten wohnungslosen und anderen Menschen.

 

Blick auf das Caritas-Wohnheim St. Alfons in der Telemannstraße 8 in Ingolstadt. Das vor 20 Jahren vom Kloster in eine Wohnungsloseneinrichtung umgebaute Haus hat mehr Lebensqualität und eine professionellere Sozialarbeit ermöglicht.
Foto: Caritas-Wohnheime und Werkstätten

 

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