Im Caritas-Seniorenheim Eichstätt ebnen Einrichtungsleiterin Irene Stiegler (rechts) und Praxisanleiterin Petra Gilgenrainer (links) Leonie Grünberger (Zweite von links) und Elfriede Tyroller den Weg zur Pflegefachkraft. Foto: Caritas / Peter Esser
"Wir freuen uns, dass wir in unseren 20 Caritas-Seniorenheimen im Bistum viele Azubis haben, die aus anderen Ländern kommen. Es wäre aber schön, wenn sich auch mehr junge Menschen aus unserer Region für einen Beruf in der Altenpflege entscheiden würden, denn das machen mittlerweile nur wenige." Das hatte der für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiter, Norbert Bittner, vor kurzem anlässlich des internationalen Tages der Pflege mitgeteilt. Im Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth in Eichstätt ist nach eigenen Angaben immerhin die Hälfte der derzeit zehn Auszubildenden in der Pflege einheimisch. Auch hat die Einrichtung nach Aussage ihrer Leiterin Irene Stiegler derzeit kaum Probleme, "Pflege-Azubis" zu finden. "Wir rekrutieren unter anderem immer wieder Menschen, die zuvor in unserem Haus einen Bundesfreiwilligendienst oder ein Praktikum gemacht haben, aber auch zum Beispiel Studienabbrecher", informiert sie.
Praxisanleiterinnen ganz für den Nachwuchs da
Die 18-jährige Leonie Grünberger aus Eichstätt absolviert ihre dreijährige generalistische Pflegeausbildung auch in St. Elisabeth, "weil das Haus aus meiner Sicht einen guten Ruf hat". Ein Grund dafür könnte laut Irene Stiegler sein, "dass unsere beiden Praxisanleiterinnen sich ganz um die Auszubildenen kümmern und keine anderen Aufgaben übernehmen müssen". Außerdem habe man in St. Elisabeth außerordentlich gute Erfahrungen mit der vor einigen Jahren bundesweit eingeführten generalistischen Ausbildung gemacht. "Unsere Auszubildenen gehen im zweiten Lehrjahr mit Interesse in andere Bereiche wie zum Beispiel in die ambulante Pflege oder in Hospize, kommen dann aber auch wieder gerne zu uns in die Langzeitpflege - wie sie sagen - ‚nach Hause‘ zurück, weil ihnen unsere Arbeit und Umgebung vertraut ist", beobachtet die Einrichtungsleiterin.
Leonie Grünberger arbeitet seit Ende 2022 in St. Elisabeth. Sie absolvierte dort zuerst ein Praktikum und eine Ferienarbeit und ist nun am Ende ihres zweiten Lehrjahres. "Ich helfe alten Menschen sehr gerne und bekomme von ihnen viel Dankbarkeit zurück, die sie zum Beispiel durch ihr Lächeln zeigen", beschreibt sie ihre Motivation, Pflegefachfrau werden zu wollen und ergänzt: "Mir gefällt hier gut, dass wir uns gezielt und ohne Zeitdruck würdevoll um eine bestimmte Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern kümmern können. Ferner sind wir Auszubildende Teil eines großen und tollen Teams." Zu ihren Aufgaben gehören sowohl grundpflegerische Tätigkeiten wie Waschen und Anziehen der ihr anvertrauten Menschen als auch medizinische Tätigkeiten wie die Herrichtung und Abgabe von Medikamenten oder auch Insulinspritzen. Auch ist sie bei Arztgesprächen der Pflegefachkräfte dabei. "Pflege ist nicht nur Waschen!", betont sie.
Besonders gerne engagiert sich Leonie Grünberger in der Sterbebegleitung. "Es ist mir ein großes Anliegen, sterbenden Menschen auf ihrem letzten Weg die Ehre zu erweisen: vor allem dann, wenn keine Angehörigen da sind. Das erfahre ich als eine ganz wertschätzende Arbeit." Die Auszubildende weiß daher jetzt schon, dass sie sich später noch zur Palliativ-Care-Fachkraft weiterbilden will. Bedeutsam ist für sie auch, dass sie in der Pflege "einen sicheren Arbeitsplatz" ansteuert und "die Bezahlung sehr gut ist". Als am wichtigsten empfindet sie es jedoch, "dass ich in meinem Beruf ganz viel Empathie einbringen kann. Viel Einfühlungsvermögen in andere Menschen sowie auch viel Geduld braucht man natürlich aber auch, wenn man in der Pflege arbeiten will", erklärt die 18-Jährige.
Nicht nur Chance für junge Berufsanfänger
Doch der Einstieg in die Altenpflege muss nicht nur etwas für junge Berufsanfänger sein. Eine dreijährige generalistische Ausbildung macht in St. Elisabeth derzeit auch die 53-jährige Elfriede Tyroller.aus Ochsenfeld. "Ich hatte schon als Kind den Wunsch, in der Pflege zu arbeiten", erzählt sie. Doch als sie mit 15 Jahren die Realschule beendet hatte, konnte sie dort noch nicht arbeiten, "weil das Mindestalter dafür damals 17 war". Daher machte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitete 15 Jahre lang in diesem Beruf. Im Jahr 2005 absolvierte sie dann im Caritas-Seniorenheim Eichstätt zunächst die einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin. In diesem Beruf ist sie bis heute tätig. Sie begann aber zusätzlich im vergangenen Jahr die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft. "Ich wollte keinen Stillstand, sondern noch vieles Fachliche neu lernen", begründet sie diesen Schritt.
An ihrer Ausbildung schätzt sie "den Umgang mit den Menschen" und die vielfältigen Tätigkeiten - von der Herrichtung von Tabletten für Bewohnerinnen und Bewohner bis zur Wundversorgung. Auch Elfriede Tyroller hat schon im Kopf, wie sie sich später einmal fortbilden will: Sie strebt an, Praxisanleiterin zu werden, um dann ihrerseits jungen Menschen einen guten Start auf ihrem Weg in die Pflege zu ermöglichen. "Ich hatte schon in den letzten Jahren immer viel Freude daran, neue Kolleginnen und Kollegen hier mit einarbeiten zu dürfen", erklärt die Pflegefachhelferin und Auszubildende.
Die Bezahlung in der Pflege ist aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren wesentlich besser geworden, "aber es könnte noch mehr sein, wenn man bedenkt, welche Verantwortung und Last wir tragen, zumal wenn es manchmal um Leben und Tod geht". Gerne möchte Elfriede Tyroller andere von den Chancen ihres Berufszieles überzeugen: "Es lohnt sich, in der Pflege zu arbeiten, auch weil man viele Weiterbildungsmöglichkeiten hat bis zur Pflegedienst- oder Einrichtungsleitung". Natürlich müsse man aber dafür psychisch stabil sein "und auch zum Beispiel mit Blut und Fäkalien umgehen können".
Empathie und Leidenschaft am wichtigsten
Die Praxisanleiterin der beiden Auszubildenden, Petra Gilgenrainer, sieht in den beiden Frauen Mitarbeiterinnen, "die zu hundert Prozent bei der Sache sind und eine außerordentliche Freude an ihrer Arbeit sowie Motivation für diese haben". Sie ist bereits seit 43 Jahren in der Pflege tätig. Für am wichtigsten hält die Praxisanleiterin es, "Empathie anderen Menschen gegenüber und Leidenschaft für den Beruf zu haben". Ihr Ziel ist es, diese Leidenschaft während der Ausbildung bei den Nachwuchspflegerinnen und -pflegern weiter zu fördern. Petra Gilgenrainer selbst erfährt ihren Beruf als "sehr sinnvoll und erfüllend. Man geht sehr zufrieden nach Hause."