Seit gut einem Jahr engagieren sich Sandra Felkner (links) und Olga Hauk für „Next Step“, eine niedrigschwellige Fachberatungsstelle der Wohnungsnotfallhilfe der Caritas in Ingolstadt. Foto: Caritas / Peter Esser
Seit gut einem Jahr gibt es "Next Step", die Fachberatungsstelle der Wohnungslosenhilfe für junge Volljährige, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind. "Next Step" ist bei den Caritas-Wohnheimen und Werkstätten Ingolstadt angesiedelt. "Wir haben vielen jungen Menschen weitergeholfen, sie auf ihrem Weg begleitet, ihnen aus prekären Situationen herausgeholfen und ihnen neue Wege in eine bessere Zukunft aufgezeigt", zieht die Sozialpädagogin Sandra Felkner eine positive Bilanz. Über 80 Klientinnen und Klienten zwischen 18 und 27 Jahren hat sie gemeinsam mit ihrer Caritas-Kollegin Olga Hauk nach eigenen Angaben bereits betreut. Zum Großteil geschah dies in deren Büro in der Gaimersheimer Straße 15. Wenn die jungen Menschen es wollten, hat sich Sandra Felkner mit ihnen aber auch in der Schule, in Parks oder in der Klinik getroffen oder hat sie zu Hause aufgesucht.
Vom "Couchsurfing" bis in die Notunterkunft
Die Sozialpädagogin erzählt einen typischen Fall: Der 22-jährige Marco, der in Wirklichkeit anders heißt, lebt in einer städtischen Notunterkunft. Bis er 18 wurde, wohnte er mit seiner Mutter und zwei Geschwistern zusammen, doch da kam es zu Konflikten "und die Mutter wollte ihn aus der Wohnung haben", so Sandra Felkner. Eine Zeit lang betrieb Marco "Couchsurfing", übernachtete mal bei einem, dann bei einem anderen Freund. Schließlich fand er eine Wohnung, konnte aber bald nicht mehr die Miete bezahlen, weil er seine Ausbildungsstelle verlor. Dann landete er in der Notunterkunft. Er bekam Kontakt zu Sandra Felkner. Die Caritasmitarbeiterin packte mit ihm die Probleme auf mehrere Weise an. Sie half ihm, einen Antrag auf Bürgergeld zu stellen, das er nun bezieht. Um seine Mietschulden in den Griff zu bekommen, ordnete sie mit ihm hierzu zunächst gemeinsam seine Unterlagen und ging dann mit ihm zur Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt. "Da Marco sich noch überfordert fühlt, in eine eigene Wohnung zu ziehen und zudem eine psychische Erkrankung hat, sind wir gerade dabei, eine passende therapeutische Wohngemeinschaft zu finden."
"Wir leisten also eine sehr niederschwellige Sozialarbeit", bringt Sandra Felkner ihre Tätigkeit auf den Punkt. Und ein solches Angebot für junge Menschen habe es zuvor in Ingolstadt und Umgebung nicht gegeben. Insbesondere für junge Volljährige zwischen 18 und 27 Jahren hätten einige Institutionen einen besonderen Hilfebedarf festgestellt, etwa die Caritas-Wohnheime und Werkstätten, aber auch das Amt für Soziales der Stadt Ingolstadt, informiert die Sozialpädagogin. Die Beratungsstelle unterstützt sowohl junge Menschen, die wohnungslos sind, als auch jene, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Eine solche Gefahr entsteht laut Sandra Felkner etwa, wenn junge Erwachsene aus konfliktbehafteten Elternhäusern flüchten, die erste eigene Wohnung wegen Trennung oder Kündigung der Arbeit verlieren oder ohne Anschlusslösung eine stationäre Einrichtung der Jugendhilfe, der psychiatrischen Versorgung oder der Suchthilfe verlassen. Auch das Ende einer Haftstrafe kann junge Menschen in diese Situation bringen.
"Wenn ihnen frühzeitig geholfen wird und sie wieder in geordnete Lebensverhältnisse zurückfinden, wirkt das präventiv und kann verhindern, dass sich die prekäre Lebenslage verfestigt", erklärt Sozialpädagogin Olga Hauk. Wohnungsnotfallhilfe sei eine umfangreiche Arbeit, die weit mehr umfasse als die Suche nach einer Unterkunft. "Die Hilfe richtet sich an Menschen in besonderen Lebensverhältnissen mit multiplen Problemlagen, deren soziale Schwierigkeiten so ausgeprägt sind, dass unbedingt Unterstützung erforderlich ist." Bei der Zielgruppe von "Next Step" könnten das Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags, im gesundheitlichen Bereich, beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit, bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder im Umgang mit Behörden sein. "Hinzu kommen negativ verstärkende Faktoren wie etwa fehlende berufliche Qualifikationen, Überforderungen mit der Selbstständigkeit oder bei Erkrankungen eine fehlende Behandlungsbereitschaft. Erst das Vorliegen sozialer Schwierigkeiten in Zusammenhang mit der unsicheren Wohnsituation bildet die Grundlage für eine Beratung durch ‚Next Step‘ nach §§67 ff. SGB XII", erklärt die Caritasmitarbeiterin.
Hilfe zur Selbsthilfe
Genau diese Arbeit wollte die Hauptstelleninhaberin Sandra Felkner aber auch vor gut einem Jahr übernehmen. "Ich bin ja selbst noch in der Lebenswelt der jungen Menschen, die in die Beratung kommen und kann mich daher in sie hineinversetzen, was die Zusammenarbeit erleichtert", erklärt die 23-jährige. Wichtig ist ihr, dass stets nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" gearbeitet wird. "Das heißt, dass die jungen Betroffenen selbst einen Antrag ausfüllen oder Anrufe tätigen und ich sie dabei je nach Bedarf unterstütze. So können sie Handlungsstrategien entwickeln und spüren eine gewisse Selbstwirksamkeit." Wichtig sei auch, dass die jungen Menschen Geduld haben, "denn der Weg zu einem eigenen Mietvertrag kann sehr lang sein und eine eigene Wohnung oft nicht die beste Option." Von daher gelte es, Lösungen im Sinne eines "Next Step" anzusteuern: zu prüfen, welche Wohnform geeignet ist, bei Sucht oder psychischen Erkrankungen erst einmal den Fokus auf deren Behandlung zu setzen, Jugendhilfemaßnahmen anzuregen und mit anderen Fachdiensten und Behörden zu kooperieren.
Der Bedarf ist da
Ein besonderes Augenmerk wird auf die 18- bis 21-jährigen gelegt, denn der Zugang zur Jugendhilfe ist für diese nach Erfahrung der Sozialpädagoginnen oft erschwert: "Dabei stehen jungen Volljährigen dieser Altersgruppe, in Ausnahmefällen auch bis 27 Jahren, grundsätzlich aber Leistungen der Jugendhilfe zu. Ab dem 21. Geburtstag sind außerdem die Wohnungslosen- und Eingliederungshilfe mit zuständig", informiert Sandra Felkner. Nach ihrer Erfahrung und der von Olga Hauk fallen Menschen zwischen 18 und 21 Jahren oftmals durch das Hilfesystem. Um dies zu vermeiden, wünschen sich die beiden Caritas-Mitarbeiterinnen künftig eine engere Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.
Nach Mitteilung von Sandra Felkner läuft das Projekt "Next Step" zunächst noch bis Ende Februar 2027. Bis dahin sei es vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert. "Derzeit laufen Gespräche mit der Stadt Ingolstadt für eine kommunale Förderung", informiert die Caritas-Mitarbeiterin. Sie hofft, dass diese zum Erfolg führen. Denn es sei sehr wichtig, dass "Next Step" weiterhin "eine Lücke im Hilfesystem der Stadt Ingolstadt schließen kann. Der Bedarf ist auf jeden Fall da", so die Sozialpädagogin.
Kontakt: Next Step, Gaimersheimer Straße 15, 85057 Ingolstadt, Telefon: 0841 / 49018-871, E-Mail: cww.beratungsstelle@caritas-ingolstadt.de